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10 Thesen zum Begriff „Postmoderne“:
Plädoyer für einen Übergangsbegriff in der Theologie

  1. „Postmoderne“ dient als Dachbegriff für ein ganzes Spektrum theoretischer Strömungen, wie z.B. Dekonstruktion, Post-Struktualismus, Post-Kolonialismus, Gender Studies, Contemporary Critical Theory, Phänomenologie u.a.
  2. Die Brauchbarkeit des Begriffs „Postmoderne“ leitet sich aus seiner Bekanntheit ab. Es ist ein Übergangsbegriff, der zunehmend aus der Mode kommt. Bis ein besserer und ähnlich weiter Begriff vorliegt, wird an dieser Stelle weiterhin von „Postmoderne“ gesprochen.
  3. Die Pluralität der angegebenen Konzepte erlaubt es nicht, eine Wesensbeschreibung der „Postmoderne“ zu geben. Es handelt sich gewissermaßen um ein „leeres“ Etikett, das mehr heuristischer als definitorischer Natur ist, geeignet zur groben Bezeichnung einer Interessenslage.
  4. Allgemein formuliert ist die Familienähnlichkeit der genannten Denkströmungen in der Erkenntnistheorie zu suchen. Gemeinsam ist ihnen der Ansatz bei der Bedingtheit und Kontextualität von Erfahrung, Erkenntnis, Wissen und Vernunft. Diese Bedingtheit wird mit linguistischen, historischen, soziologischen, kulturellen, ästhetischen, medialen, politischen und philosophischen Argumenten artikuliert.
  5. Ein verbreitetes Anliegen „postmoderner“ Denkströmungen ist die Sorge um Alterität. Die Berechtigung des „Anderen“, von Differenz und Pluralität ist ein paradigmatischer, wenn auch nicht ausschließlicher Zug, „postmodernen“ Denkens.
  6. Ein weitgehender Konsens besteht darüber, das „Postmoderne“ kein Ende der Moderne bedeutet, sondern ein Moment an der Moderne selbst ist. Die „Postmoderne“ partizipiert dabei am Definitionsproblem der „Moderne“.
  7. Die Theologie hat sich in ihrer Rezeption bisher an eine „achtenswerte Postmoderne“ (Lyotard) in Form anspruchsvoller Theoriebildung gehalten. Das Gespräch wurde gesucht mit Philosophen wie Jacques Derrida, Jean-Francois Lyotard, Emmanuel Levinas, Michel Foucault, Michel de Certeau, Jacques Lacan, Gianni Vattimo und anderen, die sich auf einem ähnlichen theoretischen Niveau befinden.
  8. Jede Form von „Postmoderne“ im Sinne bunter Indifferenz und Unvernunft kann nicht Gesprächspartner der Theologie sein.
  9. Die „Postmoderne“ impliziert keine bestimmte politische oder kirchenpolitische Ausrichtung. Es gibt liberale wie konservative postmoderne Theologien.
  10. Die Fassung unter den Begriff der „Postmoderne“ geschieht auf dieser Web-Seite ohne explizite Einwilligung der aufgeführten Theoretiker. Manche der aufgeführten Denker würden sich selbst nicht so bezeichnen.

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